Bettine-von-Arnim-Gesamtschule

Bettine-von-Arnim-Gesamtschule

des Zweckverbandes Langenfeld/Hilden

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  • Unsere Schule
  • BvA
  • Namensgeberin
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    Wer war Bettine von Arnim?

    1785 geboren, stand sie zunächst unter dem Einfluss der schriftstellerischen Größe und des persönlichen Charismas Johann Wolfgang von Goethes, mit dem sie sich geistig und emotional lebenslang verbunden fühlte. Während ihrer späteren Lebensphasen prägte sie der Geist des beginnenden Liberalismus und der sozialkritischen Bestrebungen im Vorfeld der gescheiterten Märzrevolution von 1848. Mit ihrer Bereitschaft, zur Durchsetzung ihrer Ziele notfalls auch in Männerkleidung aufzutreten, galt sie als Frau mit Zivilcourage, häufig bewundert und bestaunt wegen ihres Mutes und ihrer schriftstellerischen Neigungen, ebenso oft jedoch verrufen auf Grund ihrer für Zeitgenossen kaum nachvollziehbaren vermeintlichen Exzentrik.

    Ihre außergewöhnliche Spontaneität und Impulsivität als Ausdruck ihres südländischen Temperaments verdankte sie ihrem oberitalienischen Vater Peter Anton Brentano, als dessen dreizehntes Kind sie geboren wurde. Früh verwaist nach dem Tod der Mutter Maximiliane von Laroche (1793) und des Vaters (1797) wuchs sie weitgehend unter der Obhut ihrer Großmutter Sophie von Laroche auf, die als - von Goethe bewunderte - Schriftstellerin und Intellektuelle großen Einfluss auf sie nahm.

    Von noch größerer Bedeutung für ihren schriftstellerischen Werdegang war jedoch die enge gefühlsmäßige und geistige Bindung an ihren sieben Jahre älteren Bruder, den Dichter Clemens von Brentano. Seine Anregungen spornten sie zur Fortsetzung erster lyrischer Versuche und zur Weiterentwicklung ihrer brieflichen Korrespondenzfähigkeit an. In der Zeit ihrer Freundschaft zu der Dichterin Karoline von Günderode (seit 1801 bis zum Selbstmord Günderodes 1806) entfaltete Bettine vor allem im Brief als der ihr gemäßen künstlerischen Ausdrucksform ihre schriftstellerischen Talente.

    Das Jahr 1802 wurde durch die Begegnung mit dem Dichter Achim von Arnim, den sie 1811 heiratete, schicksalsbestimmend für die junge Schriftstellerin. Bis zum Tode ihres Mannes (1835) erfüllte Bettine von Arnim mit Pflichtbewusstsein und Ergebenheit - wenn auch nicht unreflektiert und daher zeitweilig mit einem hohen Maß an Unzufriedenheit - ihre Aufgaben als Ehefrau und Mutter ihrer sieben Kinder. Gleichzeitig hegte sie ihre zwischen Bewunderung und unerfüllter Sehnsucht anzusiedelnden Neigungen für den Dichterfürsten Goethe mit unverminderter Intensität. Mit der Publikation ihrer Bearbeitung der Korrespondenz mit Goethe, die unter dem Titel "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" ihr Rollenverständnis als jüngere - nahezu kindhafte - Verehrerin Goethes widerspiegelt, erlangte Bettine 1835 den lange ersehnten Durchbruch. Der enorme Ruhm des Briefwechsels beruhte unter anderem auf seiner gesellschaftlichen Brisanz, die wegen vermeidlicher Indiskretionen gegenüber dem drei Jahre zuvor gestorbenen Literaten auch heftige Kritik nicht zuletzt seitens des Bruders Clemens von Brentano - hervorrief.

    Als politisch denkende Autorin erwies sich Bettine erstmals in ihrer 1843 dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. gewidmeten Schrift "Dies Buch gehört dem König", die die Aufgaben des Königs kritisch reflektiert und dem Volk eine angemessene Bedeutung zuweist. 1859 starb Bettine von Arnim nach einem ereignisreichen und intensiv empfundenen Leben nach einjähriger Krankheit.

    Bettine von Arnims Werk umfasst zahlreiche Briefe, Gedichte, Märchen und andere epische Kleinformen, in denen sie sich als spätromantische Schriftstellerin ausweist. Ihre gesellschaftskritischen Schriften belegen demgegenüber ihre geistige Verwandtschaft mit Vertretern des Jungen Deutschland wie Georg Büchner oder Ludwig Börne. Die Literaturwissenschaft berücksichtigte in Vernachlässigung ihrer schriftstellerischen Eigenleistung Bettine von Arnim lange weitgehend nur in ihrer Bedeutung für die literarische Produktion Johann Wolfgang von Goethes. Erst in den Achtziger Jahren wurden Leben und Werk der Schriftstellerin durch eine moderne, für Fragen der Frauenliteraturforschung stärker sensibilisierte Literaturwissenschaft eingehender untersucht.
    Welche Grundsätze leiten sich ab?

    Welche Grundsätze leiten sich aus der Persönlichkeit der Namensgeberin für das schulische Leben in der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule ab?

    Bettine von Arnim begegnete den großen Persönlichkeiten ihrer Zeit wie Friedrich Schleiermacher, Wilhelm Grimm oder Robert Schumann stets mit großer geistiger Offenheit und einer nie nachlassenden intellektuellen Neugier:

    ".. jeder soll neugierig sein auf sich selber und soll sich zutage fördern wie aus der Tiefe ein Stück Erz oder ein Quell, die ganze Bildung soll darauf ausgehen, dass wir den Geist ans Licht hervor lassen ..." (Bettina von Arnim: Werke und Briefe. Bd 1. Hrsg. v. G. Konrad u. J. Müller. Köln 1959; S. 340)

    Aus dieser offenen Haltung erwuchs ihre dauerhafte Bereitschaft zur geistigen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden und Andersgläubigen, der ihren Blick für Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten schärfte:

    "... Die gesamte Christenheit drängt die Juden in die Hölle. Um jedes weltlichen Vorteils willen lässt sie, über alle heiligen Theorien hinweg, sich reißen zum Meuchelmord an ihren Brüdern!" (Bettina von Arnim: Werke und Briefe. Bd. 3, a.a.O.; S. 274)

    Mit Konsequenz leitete sie daraus ein umfassendes Freiheitsgebot ab:

    " ... Das Feld der Freiheit ist die Basis aller" (Bettina von Arnim: Werke und Briefe. Bd. 3, a.a.0. ; S. 270)

    Ihr vom aufklärerischen Ideal der religiösen Toleranz Gotthold Ephraim Lessings geprägtes vorurteilsfreies und tolerantes Verhalten bewahrte sie stets. Die Versuche ihres Bruders Clemens von Brentano, die Schwester zur Aufgabe ihres intensiven Kontaktes zu einer jüdischen Hausangestellten zu veranlassen, mussten daher scheitern. Im Bewusstsein ihrer Verantwortung als gesellschaftlichem Wesen verfasste sie ihre Schrift "Dies Buch gehört dem König", das in seinem mutigen Appell an den Preußenkönig den gebotenen Respekt vor der Person des Herrschers nie vermissen lässt. Die sozialen Ideale des Zeitalters der Aufklärung personifizierten sich in Bettine von Arnims Wirken für eine Verbesserung der Lage der armen Bevölkerung:

    "... Stürme, Überschwemmung, Dürre, alles fällt auf des Armen Haupt... Gibt es Pest und Hungersnot, er arbeitet sich durch, er ist der Ausdauer gewohnt. Gibt es Krieg, so ist er der schätzende Wall, er lässt sich berauben seiner Mühen und Fähigkeiten zu Gunsten der Reichen ..." (Achim und Bettina in ihren Briefen. Briefwechsel Achim von Arnim und Bettina Brentano. Hrsg. v. W Vordtriede. Frankfurt 1961; S. 455f.)

    In einer Schule, die sich der Persönlichkeit ihrer Namensgeberin Bettine von Arnim verpflichtet weiß, sollten sich Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler um eine Atmosphäre bemühen, in der geistige Offenheit und Neugier, gegenseitige Achtung und Toleranz sowie Vorurteilsfreiheit und der mutige Einsatz für die Rechte Schwächerer vorherrschen. Im Sinne der Namensgeberin darf das schulische Leben nie stagnieren, sondern muss sich im Glauben an die grundsätzliche Veränderbarkeit alles Gegebenen stets mit Mut und sozialem Verantwortungsbewusstsein um die Optimierung pädagogischen Handelns bemühen.

    Bettine von Arnims lebenslanges Streben nach Gerechtigkeit fordert in Verbindung mit den erzieherischen Zielen der Gesamtschule dazu auf, jeder Schülerin und jedem Schüler unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten und Begabungen sowie in Nutzung der vorhandenen Förderungsmöglichkeiten in besonderem Maße gerecht zu werden.